Sustainable Development Goals als strategische Agenda für Unternehmen!

Vor genau drei Jahren wurden die Sustainable Development Goals (SDGs) als Nachfolger der Millenium Development Goals durch die Vereinten Nationen (UN) verabschiedet. Letzte Woche am 25. September wurde weltweit zum SDG Action Day aufgerufen. Die SDGs dienen als Agenda für die globale Entwicklung bis zum Jahr 2030. Zu zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen wurden in den 17 SDGs Zielsetzungen aufgestellt. Die Themen reichen von Klima und Energie über Wasser bis hin zu Ausbildung, Gleichstellung, Ernährung und Armut. Zur Erfüllung dieser Ziele ist auch die Wirtschaft gefragt, daher wurde Unternehmen eine wichtige Rolle zugeteilt. Es stellt sich die Frage: Wie können Unternehmen zu den SDGs beitragen? Wie kann ein Unternehmen mit der Implementierung der SDGs starten?

Ehrgeizige Zielsetzungen

An der Deutlichkeit und der zugrundeliegenden Vision der SDGs besteht kein Zweifel:  2030 existiert kein Hunger mehr auf dieser Welt, Kleinbauern haben ihre Produktivität sowie ihr Einkommen verdoppelt, jegliche Formen der Mangelernährung sind Geschichte und alle Menschen haben Zugang zu (erneuerbarer) Energie. Die SDGs verfügen insgesamt über 169 Unterziele – mehr oder weniger quantitativer Natur. Dadurch bieten sie für Unternehmen ideale langfristige Leitlinien, die mit unternehmenseigenen Zielen abgeglichen werden können, um den unternehmerischen Beitrag zu den SDGs sichtbar zu machen.

Eine kürzlich von Sustainalize durchgeführte Studie von Nachhaltigkeitsberichten der 100 transparentesten niederländischen Unternehmen ergab, dass 55% der Unternehmen zumindest einen Bezug auf die SDGs nehmen. Dieses Ergebnis deckt sich auch mit Studien aus Deutschland. Jedoch scheint es, dass Unternehmen vor allem bestehende Initiativen und Maßnahmen als Beitrag zu den SDGs kennzeichnen, die SDGs allerdings (noch) nicht als Input für die strategische Ausrichtung heranziehen. Dies ist ein logischer erster Schritt, der aber bislang das eigentliche Bestreben der SDGs ausklammert – nämlich die gesellschaftlichen Aktivitäten von Unternehmen zu beschleunigen und diese in den strategischen Kurs aufzunehmen. Wir stellen uns die Frage: „Wie kann das sein?“ Die SDGs sind für Unternehmen oft zu abstrakt und zu weit entfernt von ihren unternehmerischen Kernaktivitäten. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man jedoch deutlich mehr Übereinstimmungen. Wir zeigen Ihnen vier Schritte auf, die Ihnen helfen können, sich mit den SDGs zu befassen und diese strategisch zu betrachten.

Vorbereitung: Holen Sie sich Unterstützung von oben

Oft bringen Verantwortliche aus der Nachhaltigkeits- oder CSR-Abteilung das Thema SDGs auf den Tisch. Ein guter erster Schritt. Echtes Engagement zu den SDGs verlangt jedoch aufgrund ihres strategischen Charakters immer auch die Unterstützung der Geschäftsleitung. Stehen Entscheider hinter dem Commitment zu den SDGs und der Implementierung dieser in die Strategie? Dieser Schritt kann einiges an Überzeugungsarbeit erfordern, ist aber wesentlich für eine erfolgreiche Implementierung der SDGs. Dabei kann es nützlich sein die persönlichen Werte der Geschäftsleitung als Anknüpfungspunkt zu nutzen.

1. Schritt: Workshop zur Verknüpfung der SDGs mit Kernkompetenzen und Unternehmensstrategie – Auswahl der wesentlichen SDGs

Im Schritt entscheiden Sie welche SDGs für das Unternehmen am relevantesten sind, indem Sie die Kernaktivitäten und -kompetenzen des Unternehmens mit den SDGs abgleichen. Idealerweise beziehen Sie verschiedene Abteilungen in diesen Prozess ein, z.B. Business Development und Innovation, Unternehmenskommunikation, CSR/Nachhaltigkeit, Marketing und die Geschäftsleitung. So erhalten Sie ein möglichst vollständiges Meinungsbild zu den verschiedenen SDGs. Dabei werden zuerst alle SDGs vorgestellt und dann im Einzelnen diskutiert.

Für einen Lebensmittelhersteller ist zum Beispiel SDG 2 (Kein Hunger) relevant, während für ein Handelsunternehmen SDG 12 (Nachhaltiger Konsum und Produktion) zutreffender ist. So können inhaltliche Verbindungen zwischen den Kernaktivitäten des Unternehmens und den SDGs gelegt werden. Dabei ist es aber auch wichtig über die Kernkompetenzen nachzudenken. Ein Telekommunikationsunternehmen verfügt zwar über umfangreiche Kenntnisse im Bereich IT, hat aber auch eine große Reichweite im Umgang mit Kunden. Für welches SDG könnte diese Kundenreichweite eine Rolle spielen? Eine Fluggesellschaft hat natürlich einen großen Einfluss auf Mobilität, besitzt aber auch ein ausgeprägtes Sicherheitsdenken. Ein Lebensmitteleinzelhändler hat wiederum ein exzellentes Knowhow zu den Bedürfnissen von Kunden- und Konsumenten, und so weiter. Berücksichtigen Sie diese Kernkompetenzen neben den Kernaktivitäten bei Ihrer SDG-Wahl! Fokussieren Sie sich auf das Wesentliche und identifizieren Sie die für Ihr Unternehmen relevante vier bis sechs SDGs. Dies bietet die Basis für den nächsten Schritt: die Auswahl der relevanten SDG-Unterziele.

2. Schritt: Auswahl der SDG-Unterziele

Jedes SDG kennt mehrere Unterziele, einige qualitativ, andere quantitativ. In diesem zweiten Schritt werden die SDGs noch genauer betrachtet und die Frage nach den relevanten Unterzielen geklärt. Für ein in Deutschland tätiges Immobilienunternehmen, das SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) ausgewählt hat, ist das Unterziel SDG 11.5 (weniger Tote durch Naturkatastrophen) weniger zentral als SDG 11.7 (Sicheren inklusiven Zugang zu öffentlichen Räumen). Das Unterziel SDG 15.2 (Entwaldung stoppen und Wiederaufforstung bis 2020 deutlich ausbauen) kann wiederum für eine Baummarktkette von großer Bedeutung sein. Basierend auf diesen Unterzielen können quantifizierbare Unternehmensziele abgeleitet werden oder Unterziele an bereits vorhandene Ziele geknüpft werden. Dabei sollten Sie den Einflussbereich des Unternehmens nicht außer Acht lassen. Oft erfordert dieser Schritt mehrere Meetings, um gemeinsam eine gut durchdachte Auswahl ambitionierter Ziele zu definieren und lokale Unterschiede verschiedener Gesellschaften einzubeziehen. Auch der Abgleich mit der Unternehmensstrategie ist wichtig. Das Resultat sollte eine Übersicht mit deutlichen, langfristigen Zielen beinhalten, auf deren Basis man im nächsten Schritt weitere Handlungen formulieren kann.

3. Schritt: Ausarbeitung eines Handlungsplans und der Strategie

Die Auswahl der SDGs und Unterziele sollte in den strategischen Plan integriert werden, inklusive klarer Indikatoren, Verantwortlichkeiten, Budgets, etc. Entscheidend ist, hierbei auf bestehende Prozesse zurückzugreifen, um zu vermeiden, dass die Auswahl und Implementierung der SDGs eine isolierte Aufgabe wird. Stattdessen sollten sie integraler Bestandteil der Strategieentwicklung und -evaluierung werden. In diesem Punkt sollte auch die Unterstützung von Seiten der Geschäftsleitung sichtbar werden.

4. Schritt: Planausführung, Kommunikation und Berichterstattung

Schlussendlich geht es an die Umsetzung und die regelmäßige Anpassung des Plans. Auf Basis der gewählten Indikatoren kann das Unternehmen nun auch die Zielsetzungen deutlich kommunizieren und regelmäßig (z.B. jährlich) darüber berichten. Die Website www.sdgcompass.org bietet eine Übersicht verschiedener Möglichkeiten und Beispiele.

Mit dieser Vorgehensweise ist die Berichterstattung nicht der Startpunkt der SDG-Implementierung, sondern das Resultat einer gut gewählten, integrierten Strategie, die die SDGs als fundamentales Element einbezieht.

 

Sustainalize hat ein SDG Assessment Tool entwickelt, dass Unternehmen bei der Auswahl der relevantesten SDGs unterstützen und die Auswahl erleichtern kann. Wenden Sie sich an uns, wenn Sie mehr erfahren wollen. Hier finden Sie zudem weitere Informationen zu unseren Services rund um die SDGs und Strategieentwicklung.

Dies ist eine Übersetzung des Blogeintrags unseres niederländischen Kollegen Rob van Tilburg. Rob ist Senior Consultant bei Sustainalize begleitet Unternehmen bei der strategischen Integration und Implementierung der SDGs. Lena Hülsmann ist verantwortlich für Sustainalize Deutschland und hilft Ihnen bei Fragen zum Thema SDGs gerne weiter.